D1042 - Thomas Dehler

Inhaltsübersicht

  • A. Familienangelegenheiten und Privates
  • B. Politische Betätigung vor 1945
  • C. Betätigung als Rechtsanwalt in Bamberg
  • D. Neuaufbau des Justizwesens in Bayern 1945
  • E. Entnazifizierung und Wiedereinstellungen
  • F. Vereine
  • G. Politik auf lokaler Ebene
  • H. Parteien
  • J. Landespolitik
  • K. Parlamentarischer Rat und Bundespolitik
  • L. Verschiedenes

Einleitung

Thomas Dehler wurde am 14. Dezember 1897 in Lichtenfels/Ofr. als Sohn des Gastwirts und Metzgers Georg Dehler und dessen aus Wachenroth bei Höchstadt/A. stammenden Ehefrau Elisabeth, geb. Güttler geboren. Nach Schulbesuch in seiner Heimatstadt und in Bamberg sowie Militärdienst studierte er in München zunächst Medizin, später Rechts- und Gesellschaftswissenschaften. 1920 promovierte er in Würzburg mit einer Dissertation zum Thema "Die Begründung des Strafurteils", daran schloß sich ein Referendariat an.

Seit 1924 betätigte er sich in München, seit 1926 in Bamberg beruflich als Rechtsanwalt. In offenkundiger Opposition gegen den Nationalsozialismus wurde er im November erneut eingezogen, kehrte jedoch nach der Befreiung durch amerikanische Truppen im Mai 1945 nach Bamberg zurück. Hier ernannte ihn am 1. Juni 1945 die Militärregierung zum Landrat. Unter Fortführung dieser Aufgabe erhielt er am 12. Dezember des gleichen Jahres die Ernennung zum Generalstaatsanwalt im Oberlandesgerichts-Bezirk Bamberg. 1946 erfolgte seine Berufung zum Generalankläger im Bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben, gab diese Tätigkeit jedoch nach Auseinandersetzungen mit Alfred Loritz 1947 auf. Am 14. Juni 1947 wurde er zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Bamberg ernannt. Nachdem er für das 2. Kabinett Adenauer 1953 nicht mehr berücksichtigt worden war, ließ sich Dehler erneut als Rechtsanwalt - in Köln - registrieren.

Bereits während seiner Studienzeit war Dehler in Verbindung zu demokratischem Gedankengut getreten. Kontakte bestanden zu Theodor Heuß, dem Kreis um Friedrich Naumann und der Deutschen Demokratischen Partei. Nach 1922 kandidierte er auch mehrmals für den Reichstag. Als Mitglied der Bamberger Freimaurer-Loge "Zur Verbrüderung an der Regnitz" seit 1926, als aufrechter Rechtsvertreter jüdischer und oppositioneller Mitbürger, nicht zuletzt auch aufgrund seiner Ehe mit der "Halbjüdin" Irma, geb. Frank 1925 zog er sich die besondere Abneigung der Nationalsozialisten zu.

Am 3. November 1945 erreichte er die Zulassung der FDP in Ober- und Mittelfranken, schließlich am 15. Mai des folgenden Jahres - gemeinsam mit Linnert - den Zusammenschluß der Liberalen in Bayern, deren Programm er 1948 durch eigene Leitgedanken stark beeinflußte. Zwischen 1954 und 1957 war Dehler schließlich Bundesvorsitzender der FDP, zeitweise auch Vorsitzender der Bundestags-Fraktion.

Als Mitglied des "Bamberger Bürger-Kommittees" 1945, der Bayerischen Verfassungsgebenden Landesversammlung 1946 und des Parlamentarischen Rats 1948/49 trat Dehler in die aktive Politik ein. Dem Bundestag gehörte er seit dessen Gründung bis zu seinem Tod an, ab 1960 als einer der Vizepräsident. Im 1. Koalitions-Kabinett Konrad Adenauers 1949-1953 war ihm die Leitung des Bundesjustizministeriums übertragen; seine Wiederberufung 1953 verhinderten die zahlreichen Kontroversen mit politischen Freunden und Gegnern.  Am 21. Juli 1967 starb Dehler in Streitberg in der Fränkischen Schweiz. In seiner Heimatstadt Lichtenfels, die ihm 1956 die Ehrenbürgerwürde verliehen hatte, wurde er - nach heftigen Kontroversen - mit kirchlichlichen Zeremonien bestattet.

Der schriftliche Nachlaß Thomas Dehlers ist auf verschiedene Archive aufgeteilt. Ein Teil befindet sich im Archiv des deutschen Liberalismus in Gummersbach (120 Nrr.). Den wohl größten Teil hatte Dehlers Witwe bereits 1968 der Friedrich-Naumann-Stiftung übergeben, deren Archiv den Bestand im Umfang von ca. 1200 Ordnern in einem detailiierten Findbuch erschloß.

Überraschenderweise tauchte 1988 im Bundesjustizministerium ein weiterer Teilnachlaß auf, der vorwiegend die bisher nicht dokumentierte Lücke zwischen 1930-1945 schloß. Mit Zustimmung der Tochter Dehlers, Elisabeth Schörner (München), bot der mit der Weitergabe dieses Teilnachlasses betraute frühere 1. Bürgermeister der Stadt Bonn, Herr Otto Schumacher-Hellmold, der Stadt Bamberg die Möglichkeit an, von den einschlägigen Unterlagen Fotokopien anzufertigen. Nach Durchsicht des Bestandes wurden durch das Stadtarchiv Bamberg Kopien vorwiegend von denjenigen Betreffen aus diesem Teil angefertigt, die Bamberg bzw. Dehlers Wirken in Bamberg zum Inhalt hatten. Diese Kopien bilden auch die Grundlage dieses Repertoriums. Nur in geringem Maße enthält der Bestand im Stadtarchiv Bamberg auch Originale (z. B. Kanzleischild = Nr. 289, Zeitschrift "Echo" = Nr. 294, "Erinnerungsblätter" an die Einweihung der Synagoge = Nr. 262), die z. T. erst 1993 an das Stadtarchiv Bamberg kamen (Bibliothek = Nr. <293>, Fotoalben = Nr. 298 a-e; Edelsteinsammlung = Nr. 299).

Die in Kopie vorliegenden Dokumente sind im Original an das "Haus der deutschen Geschichte" in Berlin (s. Anhang Nr. 295) und an das Archiv der Friedrich-Naumann-Stiftung gegangen, das Bundesjustizministerium übernahm allein die Schriftstücke, die den Strafbefehl wegen der Verweigerung des Hitlergrusses (s. Nr. 94) betrafen.

Der Bestand wurde unter weitgehender Belassung der vorgefundenen, z. T. wohl von Dehler selbst stammenden Ordnung von Dr. Zink verzeichnet, in einer Datenbank erfaßt und mit einem Index versehen.

Bamberg, im Juli 1992 (Nachtrag: März 1993)

Literaturverzeichnis (in Auswahl)

  • MAASSEN Hermann/ Elmar HUCKO, Thomas Dehler, der erste Bundesminister der Justiz. Köln 1977
  • MAUCH Berthold, Die bayerische FDP. Portrait einer Landespartei 1945-1949. München 1981 (Der politische Liberalismus in Bayern, Studienreihe des Thomas-Dehler- Instituts 1)
  • HENNING Friedrich, Thomas Dehler (1897-1967), in: Fränkische Lebensbilder 10, S. 239 ff., Neustadt/A. 1981
  • HEUSS Theodor, "Lieber Dehler". Briefwechsel mit Thomas Dehler, hg. und komment. von Friedrich HENNING. München, Wien 1983
  • OTT Gabriel, Thomas Dehler. Hof 1985 (Oberfränkische Köpfe, hg. von Wolfgang Protzner)
  • RILLING Detlef, "Thomas Dehler - Eine politische Biographie. Ein Leben in Deutschland." Phil. Diss. unveröff. Augsburg 1988
  • SCHUMACHER-HELLMOLD Otto, Adenauer-Dehler. Die Versöhnung. In: "Liberal" 1988

Quellenverzeichnis

  • Stadtarchiv Bamberg, B.S. 483 (Dehler)
  • Stadtarchiv Bamberg, B.S. 225 (Bamberger Bürger-Kommittee)
  • Stadtarchiv Bamberg, D 1003 (Dr. Hermann Etzel)

 

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